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Transporthubschrauber-Regiment 15, Rheine Bentlage
Entlastung für Heeresflieger
Von Matthias Schrief und Elmar Ries
Rheine. „Die Bundeswehr muss bekommen, was sie zur Erfüllung ihres Auftrags benötigt“, sagt Verteidigungsminister
zu Guttenberg. Dazu gehören Hubschrauber für die Truppe in Afghanistan. „Wir prüfen derzeit verschiedene Möglichkeiten,
den Einsatz von Hubschraubern an den gestiegenen Bedarf anzupassen“, bestätigte ein Sprecher des Ministers. Offenbar
konzentriert sich das Ministerium auf den neuen Hubschrauber NH 90. Der Transport-Helikopter solle mit
„bestimmten Fähigkeiten beschleunigt für den Afghanistan-Einsatz“ bereitgestellt werden.
Durch die ständige Präsenz im Auslandseinsatz haben die beiden CH-53-Heeresfliegerregimenter in Rheine und
Laupheim - wie berichtet - die Leistungsgrenze erreicht. Die Flotte der für den Auslandseinsatz fähigen CH-53-Hubschrauber
soll in 2010 zwar von 20 auf 26 aufgestockt werden. Es werde aber wohl nicht gelingen, in kommenden Jahr den
„Personalkörper“ anzupassen, heißt es im Ministerium. Verworfen hat das Heer inzwischen die Idee, einen „aufgemotzten“
Hubschrauber-Veteran vom Bell UH-1D an den Hindukusch zu schicken. Zwischenzeitlich, so der Sprecher weiter, unterstützten
die USA die Bundeswehr.
Wie das Lufttransportkommando in Münster mitteilte, erhält die Luftwaffe den NH 90 zwar Anfang des kommenden Jahres.
Dass er kurzfristig für den Afghanistan-Einsatz bereitsteht, wird von Insidern jedoch bezweifelt. „Bisher sind alle neuen
Maschinen zwei Jahre lang im Inland getestet worden, damit sämtliche Kinderkrankheiten ausgemerzt werden können“, hieß es.
Westfälische Nachrichten (WN Online), 28. November 2009
CH-53-Hubschrauber nach Beschuss sicher gelandet
Von Matthias Schrief
Rheine. In Afghanistan sind zwei CH-53-Hubschrauber beschossen worden.
Wie das Einsatzführungskommando in Potsdam mitteilte, ereignete sich der Vorfall, bei dem niemand verletzt wurde, am späten
Mittwochnachmittag. Die deutschen Transporthubschrauber seien südwestlich des Regionalen Wiederaufbauteams (PRT) Kunduz mit
Handwaffen beschossen worden.
Die Hubschrauber waren unterwegs auf dem Weg von Kunduz nach Mazar-e Sharif. Nach dem Beschuss hatten sich die Besatzungen
für die Rückkehr zum PRT Kunduz entschieden.
Die Hubschrauber sind dort mit leichten Schäden gelandet. Soldaten wurden nicht verletzt.
Unterdessen will die Bundeswehr die durch den Afghanistan-Einsatz stark belasteten CH-53-Transporthubschrauberregimenter
entlasten. „Wir prüfen alle Möglichkeiten, um andere Hubschraubertypen in Afghanistan in den Einsatz zu bringen“, sagte ein
Sprecher im Bundesverteidigungsministerium. Man sei im Gespräch mit der Industrie, um Optionen auszuloten.
Das Verteidigungsministerium reagierte damit auf die Kritik aus den beiden CH-53-Regimentern in Rheine und im schwäbischen
Laupheim. Die Bordbesatzungen der beiden Transporthubschrauber-Verbände sind seit Jahren in den Auslandseinsätzen der
Bundeswehr engagiert. Nachdem Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in einem Zeitungsinterview zusätzliche
CH-53-Hubschrauber für die Isaf-Truppe angekündigt hatte, machten Interessensvertreter der Heeresflieger darauf aufmerksam,
dass die „personellen Ressourcen" in den beiden Regimentern erschöpft seien.
Als Ersatz für den CH-53-Transporthubschrauber sei unter anderem die Bell UH 1 D im Gespräch, hieß es im
Verteidigungsministerium. Erfahrene Heeresflieger weisen indes darauf hin, dass die Bell mit einem Millionenaufwand für den
Auslandseinsatz tauglich gemacht werden müsste. Panzerung und Bewaffnung würden Reichweite und Traglast erheblich reduzieren.
Einige Piloten sprechen dem betagten Modell, das bei der Bundeswehr in Teilen schon ausgemustert wird, die Tauglichkeit
für den Isaf-Einsatz ab. Vorteil: Für die Bell stehen ausgebildete Piloten zur Verfügung.
Zudem habe die Bundeswehr noch „andere Hubschrauber“, sagte der Heeressprecher, ohne indes ein bestimmtes
Muster zu nennen. Er ließ zudem offen, welche „weiteren Kooperationen“ mit der Industrie angestrebt werden
sollen und in welchem Zeitfenster der CH-53-Ersatz einsatztauglich sein soll.
Unterdessen bekräftigte das Verteidigungsministerium, dass die Modernisierung der CH-53-Flotte bei den Heeresfliegern
und die Ausbildung der jungen Piloten vorangetrieben werden soll. Es geben zwar keinen Nachwuchsmangel, aber derzeit
zu wenig auslandseinsatzfähige Luftfahrzeugführer. Der Zahl der für den Auslandseinsatz verfügbaren Maschinen soll von
20 auf 26 erhöht werden.
Westfälische Nachrichten (WN Online), 11. November 2009
Heeresflieger:
„Belastungsgrenze ist erreicht“
Von Matthias Schrief
Rheine. Die deutschen Heeresflieger gehen auf
Konfrontationskurs zum Verteidigungsministerium. Durch den gut
sieben Jahre dauernden Isaf-Einsatz in Afghanistan sei
insbesondere bei den beiden
CH-53-Transporthubschrauber-Regimentern aus Rheine und Laupheim
die Belastungsgrenze erreicht. „Die personellen Reserven
sind erschöpft“, sagt Oberstleutnant Reinhard
Schlepphorst als Interessenvertreter des fliegenden Personals
beim Heer. Er reagierte damit auf eine Ankündigung von
Verteidigungsminister zu Guttenberg.
Der Minister will zusätzliche
Transporthubschrauber vom Typ Sikorsky CH-53 in den
„kriegsähnlichen“ Einsatz nach Afghanistan
schicken. Acht kampfwertgesteigerte Hubschrauber des Heeres sind
am Hindukusch stationiert. „Die Belastungsgrenze der für
den Auslandseinsatz ausgebildeten CH-53-Besatzungen ist erreicht“,
so Schlepphorst. Unterdessen bestätigen Sprecher der Division
Luftbewegliche Operationen und des Verteidigungsministeriums, dass
„Entlastungsoptionen“ für die Besatzungen
„geprüft werden“.
Westfälische
Nachrichten, Dienstag, 10. November 2009
Soldaten
widersprechen Minister
Von Matthias Schrief
Rheine/Laupheim. - In den deutschen
CH-53-Transporthubschrauber-Regimentern Rheine und Laupheim rumort
es. Mit Unverständnis reagieren insbesondere die Piloten und
Bordbesatzungen auf die Ankündigung von Verteidigungsminister
Karl-Theodor zu Guttenberg, die Isaf-Truppe in Afghanistan mit
zusätzlichen CH-53-Transporthubschraubern auszustatten.
Der Grund: „Die
personellen Reserven sind erschöpft. Wir werden schon die
acht Maschinen, die derzeit im Isaf-Einsatz sind, unter der
derzeitigen Auftragsanforderung im kommenden Jahr nicht mehr
leisten können“, warnt Oberstleutnant Reinhard
Schlepphorst, Bundesvorsitzender der Interessengemeinschaft des
fliegenden und luftfahrzeugtechnischen Personals der Transport-
und Hubschrauberverbände der Bundeswehr (IGTH).
Guttenberg
hatten in einem Zeitungsinterview angekündigt, 2010 weitere
modernisierte Helikopter des Typs CH- 53 für die Isaf-Truppe
abzustellen. Die Einsatzführer der deutschen Schutztruppe
werden das Angebot gerne annehmen. Seit Jahren stellen sie in
internen Berichten regelmäßig heraus, dass den
deutschen Soldaten am Hindukusch Hubschrauber fehlen.
In
den beiden mittleren Transporthubschrauber-Regimentern in Rheine
und Laupheim (Baden-Württemberg) dagegen stehen die
Personalplaner damit vor einer schwierigen Aufgabe. „Die
Belastungsgrenze der für den Auslandseinsatz ausgebildeten
CH-53-Besatzungen ist erreicht“, sagt Schlepphorst.
„Offensichtlich hat niemand den Minister darüber
informiert, dass Hubschrauber auch Besatzungen brauchen, die sie
fliegen.“
„Wir prüfen noch, ob das
personell geht“, reagierte der Sprecher der Division
Luftbewegliche Operationen (DLO) in Veitshöchheim auf die
Ankündigung des Ministers.
Seit Jahren lastet auf den
Schultern der Heeresflieger der Flugbetrieb im Auslands-Einsatz.
Kurdistan, Irak, Kosovo, Kongo oder Pakistan - die Anforderungen
im Einsatzgebiet erfüllt meistens nur der CH53-Hubschrauber.
Seit sieben Jahren unterstützen die Heeresflieger die
Isaf-Truppe in Afghanistan. Immer häufiger und in immer
kürzeren Abständen müssen Piloten und Bordpersonal
in den „kriegsähnlichen“ Einsatz.
Vier
Monate Isaf-Verwendung in zwei Jahren lautete einst die Regel.
Tatsächlich haben viele Luftfahrzeugführer die
vorgesehene „Stehzeit“ im Einsatzland längst
überschritten. Das Risiko am Hindukusch ist hoch:
„Mittlerweile werden die Hubschrauber ja auch beschossen“,
sagt Schlepphorst.
Nach der Rückkehr aus dem
Isaf-Einsatz bleibe den Bordcrews kaum Zeit, zu verschnaufen.
„Regeneration ist nahezu unmöglich“, weiß
der IGTH-Bundesvorsitzende, der selbst Angehöriger des
mittleren Transporthubschrauber-Regimentes 15 „Münsterland“
in Rheine-Bentlage ist. Bei den Soldaten zeigten sich verstärkt
psycho-vegetative Belastungsstörungen. „Abwanderungsgedanken
werden immer häufiger geäußert Kündigungen
hat es bereits gegeben“, sagt Schlepphorst.
„Wie
eine Demütigung“ hätte es zudem auf viele
Luftfahrzeugführer des Heeres gewirkt, dass ihnen eine längst
überfällige Anpassung der Besoldung verwehrt wurde.
Unterdessen bestätigen die DLO in Veitshöchheim
und der Sprecher Heer im Bundesverteidigungsministerium, dass
Entlastungsoptionen für die CH 53-Crews „geprüft
werden“. Der neue Hubschrauber NH 90 sei allerdings keine
Wahl, weil „die Industrie da bummelt“. Aus dem
aktuellen Hubschrauberbestand bietet sich dann nur noch die
betagte Bell UH 1D an, die für den Einsatz fit gemacht werden
müsste. Man stehe allerdings auch „mit der Industrie in
Kontakt, um weitere Optionen zu erschließen“, heißt
es im Verteidigungsministerium.
Westfälische
Nachrichten, Dienstag, 10. November 2009
Heeresflieger und Spezialkommandos trainieren gemeinsam
Von Matthias Schrief
Rheine. Die Heeresflieger schlagen ein neues Kapitel auf.
Ihre besten Piloten, die „Top Guns“, werden zusammen mit den Spezialkräften und den
KSK-Kommandosoldaten der Bundeswehr ins Trainingslager geschickt, darunter eine Handvoll
Flugzeugführer vom Heeresflieger-Regiment „Münsterland“ in Rheine.
Special Operation Forces-Element, kurz SOF-Element, nennt die Bundeswehr diesen Kampfverbund, der bereits im Sommer
des kommenden Jahres teilweise einsatzbereit sein soll.
Die Aufgabe der Hubschrauber-Piloten: Sie sollen die Kommandosoldaten bei Tag oder bei Nacht schnell, präzise und
punktgenau – auch unter Bedrohung – ins Ziel bringen. Das ist die Antwort der Bundeswehr auf die so genannten
asymmetrische Bedrohungen – im weitesten Sinne also der Kampf konventioneller Armeen gegen Terroristen.
Beim mittleren Transporthubschrauber-Regiment 15 in Rheine wird über das Thema – zumindest nach außen – geschwiegen.
Und auch weiter oben in der Bundeswehr-Hierarchie fließen die Informationen zum SOF-Element spärlich. Oder auch gar
nicht. Das ist Usus bei der Bundeswehr, wenn die „schwarzen Männer“ des Kommandos Spezialkräfte (KSK) mit im Boot sind.
Nichts von dem, was das Kommando tut, soll nach außen dringen.
Dass ein Heeresfliegerverband zur taktischen Unterstützung der Spezialkräfte aufgestellt werden soll, zeichnete sich
indes seit längerer Zeit ab. Andere Nationen seien mit ihren Spezialkräften „weitaus autarker im Hinblick auf
Lufttransporte“, sagte KSK-General Hans-Christoph Ammon kürzlich in einem Zeitungsinterview. Er sei zuversichtlich, dass
seine Truppe „konzeptionell auf dem Weg zu einer Optimierung“ sei.
Rustikaler dagegen klingt die Bewertung, die einem amerikanischen Vier-Sterne-General zugeschrieben wird: „Das sind
zwar tüchtige Jungs“, sagte er über die deutschen KSK-Soldaten, die in Afghanistan eingesetzt wurden. „Aber sie verfügen
ja nicht einmal über eigene Hubschrauber“, fiel die Gesamtbewertung wenig zufriedenstellend aus.
Mit dem neuen Einsatzverbund Spezialkräfte soll diese KSK-Manko beseitigt werden. Einen Einblick in Aufbau und
Anforderungsprofil des SOF-Elementes gibt der Heeresflieger-Hauptmann Martin Dörr. „Ausgewählte, besonders
zusammengesetzte, entsprechende ausgebildete und ausgerüstete“ Heeresflieger sollen „intensiv und permanent“ mit den
Spezialkräften zusammenarbeiten. „Die beteiligten Besatzungen müssen nicht nur ihr Handwerk beherrschen, sondern sich
darüber hinaus mit den Spezialkräften wie eine kleine Kampfgemeinschaft ’blind‘ verstehen. Die Durchführung entsprechender
Spezialverfahren ist mit diesen Kräften im engen Wirkverbund ständig zu üben und zu vertiefen“, heißt es bei Dörr.
Diese ausgewählte „Kampfgemeinschaft“ soll am Heeresfliegerstandort im schwäbischen Laupheim mit BO-105 „Swooper“-Hubschraubern
und CH-53-Transport-Hubschraubern zusammengefasst werden.
„An das ausgewählte fliegerische Personal werden hohe Forderungen gestellt“, sagt Dörr. Ein strenges
Auswahlverfahren trage diesem Anspruch Rechnung. Es kommen nur hoch ausgebildete Flugzeugführer zum Einsatz, die bereits
Erfahrungen aus Einsätzen in Afghanistan mitbringen.
Bereits im Sommer 2009 soll eine eingeschränkte Einsatzbereitschaft gewährleistet sein. In einem weiteren Schritt
soll das SOF Air Rotary / Wing (SOF Air R/W) laut Dörr in die Lage versetzt werden, „gleichzeitige Unterstützung von bis
zu drei Operationen der Spezialkräfte an unterschiedlichen Einsatzorten mit Hubschraubern erfüllen zu können“.
Dörr macht auch klar, was von den „Top Guns“ der Heeresflieger-Crews im SOF-Element erwartet wird: Einsatz am Limit.
Schnell rein, schnell raus. Immer nur eine Chance: „Im Rahmen einer spezialeinsatzfähigen Unterstützung von Spezialkräften
hat der Hubschrauberpilot die Option eines zweiten Anfluges in der Regel nicht, so dass er überwiegend bei Nacht, auch
unter Bedrohung und in Formation mit weiteren Luftfahrzeugen, eine Landung unter widrigen Umständen sicherstellen muss.“
Westfälische Nachrichten, 29. Oktober 2008
General mit Heeresfliegern unzufrieden
Von Matthias Schrief
Rheine. Seit der Operation
„Harekate Yolo II“ ist es kein Geheimnis mehr:
Deutsche Heeresflieger, darunter Hubschrauber-Crews aus Rheine,
fliegen in Afghanistan bis in die Kampfzonen hinein. Dahin, wo
sich Soldaten der internationalen Friedenstruppe Isaf und Soldaten
der afghanischen Armee (ANA) in einer gemeinsamen Aktion
mehrstündige Gefechte mit den Taliban liefern.
Das Problem: Die Einsatzkräfte im von Deutschland
geführten Regionalkommando Nord (RC North) sind für
Operationen dieses Umfangs offenbar nur unzureichend ausgestattet.
Das sagt nicht irgendwer. Das sagt Brigadegeneral Dieter Warnecke
in seinem Erfahrungsbericht des 14. deutschen Einsatzkontingents
Isaf über den Zeitraum von August bis November 2007.
Teile
des Erfahrungsberichts finden sich im Internet. Die
Zusammenstellung wird dem früheren deutschen
Isaf-Regionalkommandeur Nord, Brigadegeneral Warnecke,
zugeschrieben. Darin spricht er Mängel bei der Ausrüstung
wie bei der Vorschriftenlage offen an.
Deutliche Kritik übt
Warnecke demnach unter anderem an der Verfügbarkeit und
Einsatzfähigkeit der sechs mittleren Transporthubschrauber
vom kampfwertgesteigerten Typ Sikorsky CH-53 GS (GS = German
Special), die seit Ende 2007 ihre Basis im nordafghanischen
Mazar-e Sharif haben. Ihr Einsatzgebiet ist riesig: Es umfasst
neun Provinzen mit sieben Millionen Einwohnern und einer Fläche
von 1200 Kilometern Ost-West und 400 Kilometern Nord-Süd. Das
mittlere Transporthubschrauberregiment 15 in Rheine-Bentlage
stellt, ebenso wie das Schwesterregiment in Laupheim, Soldaten und
Maschinen für dieses Einsatzgeschwader in Mazar-e Sharif.
Am
Beispiel der für medizinische Rettungsaktionen umgebauten
Maschine (CH-53 in der Medevac-Variante) weist Warnecke auf
folgende Schwachpunkte hin: ▶ Der so genannte
„operationelle Flugbetrieb“ kann nur von Deutschland
autorisiert werden, und zwar nach den Regeln der
Friedensflugbestimmungen. Ob ein Kommandeur im Notstand anders
befehlen dürfte, ist augenscheinlich unklar. ▶
Im Gegensatz zu allen anderen vorhandenen Waffensystemen ist die
CH-53 zudem mittlerweile das einzige wichtige Mittel, welches
nicht nachtkampffähig ist. ▶ Die Abdeckung des
Verantwortungsbereiches RC North mit sechs CH-53 mit einer
technischen Verfügbarkeit von 60 Prozent ist im Mandatsrahmen
zudem unzureichend. Mit CH-53 zu rechnen, ähnelt immer mehr
einem Glücksspiel.
Starker Tobak. Das für die
Auslandseinsätze zuständige Einsatzführungskommando
in Potsdam dementiert diesen Bericht nicht. Auf MV-Anfrage nimmt
es vielmehr wie folgt Stellung: „Jedes Kontingent aus jedem
Einsatzgebiet legt dem Einsatzführungskommando der Bundeswehr
einen detaillierten Erfahrungsbericht vor, der alle
Führungsgrundgebiete und Aufgabenstellungen während der
Kontingentdauer umfasst. Diese Berichte sind intern und von großer
Offenheit. Das ist wichtig, damit die in komplexen Einsätzen
unvermeidlichen Probleme und Schwierigkeiten klar nachvollziehbar
werden.“Die Bewertung erfolge in einem festgelegten Prozess
der Einsatzauswertung. Schließlich sei es „wichtig,
schnell und ständig aus den im Einsatz gemachten Erfahrungen
zu lernen“, erläutert der Sprecher des
Einsatzführungskommandos. Die Einsatzauswertung sei ein
ständiger Prozess, mit dem das Einsatzführungskommando
für das konkrete Einsatzgebiet, aber auch für die
gesamte Bundeswehr im Einsatz Handlungsbedarf identifiziert und
Maßnahmen veranlassen kann. Der Sprecher des
Einsatzführungskommando bittet um Verständnis dafür,
„(dass wir) zu solchen internen Berichten keine detaillierte
öffentliche Position beziehen“.
Fakt ist:
Bislang hat das Einsatzführungskommando keine zusätzlichen
CH-53 GS nach Afghanistan beordert.
Was General Warnecke
sachlich-fachlich kritisiert, führte in der britischen Presse
unlängst zu hämischen Berichten. Bei Einsätzen in
der Gefechtszone würden die deutschen Hubschrauber-Piloten
bereits am Nachmittag Feierabend machen.
An der Front im
Kampf gegen den Terror sei es den Deutschen wichtiger, akribisch
alle Vorsichtsmaßnahmen zu erfüllen, als auszuharren
und die im Notfall verletzten Isaf-Soldaten aus der Kampfzone zu
fliegen. Nachteinsätze würden komplett verweigert. „For
us ze war is over by tea time, ja“, (etwa: Zur Teezeit ist
der Krieg für uns vorbei) titelte beispielsweise die Sunday
Times im vergangenen November ihren bissigen Bericht über die
deutschen Heeresflieger.
Vor diesem Hintergrund und der
Tatsache, dass Bundeswehr-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan
bereits schon im vergangenen Jahr vermutete, dass die Bundeswehr
die Norweger als schnelle Eingreiftruppe (QRF) im Norden
Afghanistans ablösen wird, erstaunt es kaum, dass sich die
FDP-Bundestagsfraktion im Rahmen einer „Kleinen Anfrage“
mit der Leistungs- und Einsatzfähigkeit der deutschen
CH-53-Flotte beschäftigt hat.
Schließlich will
man wissen, unter welchen Bedingungen man – möglicherweise
– einen eigenen Kampfverband nach Afghanistan schickt.
Aus
der Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage geht hervor, dass
der Klarstand der Gesamtflotte, also die aktuellen Verfügbarkeit
der Maschinen, im Jahresmittel bei 50 Prozent liegt. Und statt der
ursprünglich 20 leistungsgesteigerten CH-53 GS verfügen
die Heeresflieger nur noch über 18: Zwei CH-53 stehen bis auf
weiteres in der Flugzeugwerft, weil die Instandsetzungsarbeiten
wegen Ersatzteilmangels „vorübergehend unterbrochen“
werden mussten.
Münsterländische
Volkszeitung, Februar 2008
Kommentar: Am Limit
Sie halten den Kopf hin, wenn am Hindukusch die
Freiheit verteidigt wird. Sie riskieren im Einsatz Leib und Leben,
sind monatelang von ihren Familien in Deutschland getrennt. Und
wenn sie dann nach Hause kommen, gibt es nicht immer ein
Schulterklopfen. Im Gegenteil. In der internationalen Presse
mussten sie sich in jüngster Vergangenheit sogar Häme
gefallen lasssen. Und auch ein deutscher General nennt kritische
Punkte.
Sind die Hubschrauber-Besatzungen aus Rheine und Laupheim, die
in Afghanistan ihren riskanten Job machen, etwa nicht
einsatztauglich? Doch, das sind sie. Sie nehmen ihren Job aber
ernst. Und sie lassen sich nicht verheizen. Was in der
Öffentlichkeit als „Fliegen nach Friedensbestimmungen“
verspottet wird, ist im Grunde nichts anderes, als das
verantwortungsvolle Handeln der Flugzeugführer für die
ihnen anvertrauten Menschen und Maschinen.
Tatsache
ist, dass die Material-Ressourcen für Einsätze wie sie
in Afghanistan geflogen werden, derzeit knapp bemessen sind. Von
den 20 Hubschraubern vom Typ Sikorsky CH-53 GS sind aktuell nur 18
einsatzfähig. Acht befinden sich im Schnitt in der
Instandsetzung, sechs in Mazar-e Sharif. Bleiben pro Regiment in
Rheine und Laupheim jeweils drei für die Piloten-Ausbildung
in Deutschland
Natürlich will jeder Einsatzführer in Afghanistan auf
eine möglichs üppige Luftunterstützung
zurückgreifen können. Wenn sich das
Einsatzführungskommando tatsächlich dazu entschließen
sollte, zusätzliche CH-53 GS nach Afghanistan zu verlegen,
wäre das ein Rückschlag für den Ausbildungsbetrieb
zu Hause.
Denn wie man spätestens seit der Hochwertausbildung der
Heeresflieger in Sardinien weiß, sollen die CH-53 Regimenter
bald in der Lage sein, zeitlich begrenzt, weltweit gleichzeitig
zwei bis drei Auslandseisätze bewältigen zu können.
Kurzum, die Heeresflieger gehen bereits am Limit. Häme haben
sie nicht verdient.
Zum Thema: „Harekate Yolo II“
Im November 2007 war die
schnelle Eingreiftruppe (QRF) bei „Harekate Yolo II“,
einer gemeinsamen Operation von afghanischer Armee und ISAF im
Nordwesten eingesetzt gegen rund 300 Taliban-Kämpfer, die
wichtige Orte und Straßen besetzt hielten. Es ergaben sich
mehrstündige Gefechte, deren Hauptträger auf ISAF-Seite
die QRF war. Die QRF wird seit 2006 von Norwegen gestellt. Dies
waren die ersten Gefechte, in die ISAF-Truppen im Norden seit
Beginn der Stationierung verwickelt waren.
Absturz
in Kabul: Drei Soldaten aus
Rheine
unter den Opfern
Von
Matthias Schrief
Rheine/Kabul. – Beim
Absturz eines Bundeswehr-Hubschraubers in der Nähe der
afghanischen Hauptstadt Kabul sind am Samstag sieben deutsche
Soldaten ums Leben gekommen, darunter ein Oberleutnant und zwei
Hauptfeldwebel vom Heeresfliegerregiment 15 aus Rheine. Es war das
bisher schwerste Unglück bei Auslandseinsätzen der
Bundeswehr.
Die Maschine stürzte auf ein
leer stehendes Haus und brannte aus. Nach unbestätigten
Informationen sollen dabei auch zwei afghanische Kinder umgekommen
sein. Die Absturzursache ist noch nicht geklärt. Es gebe
jedoch „keinerlei Hinweise auf einen Beschuss“ der
Maschine, sagte Bundesverteidigungsminister Peter Struck am
Samstagabend vor der Presse in Berlin.
Wie die Bundeswehr weiter berichtet,
befand sich der Hubschrauber vom Typ CH-53 GS auf einem
routinemäßigen Erkundungsflug zwischen dem
Bundeswehr-Lager „Warehouse“ und dem Flugplatz Kabul,
der von französischen Soldaten der internationalen
Schutztruppe in Afghanistan (ISAF) gesichert wird. Beim
Landeanflug sei der deutsche Hubschrauber mit sieben Soldaten an
Bord abgestürzt.
Nach
Augenzeugen-Informationen eines britischen Soldaten der
ISAF-Truppe soll ein Triebwerk des Hubschraubers vor dem Absturz
gebrannt haben. „Erst sind Rauch und Flammen aus dem
Motorraum gekommen, genau unter den Rotorblättern“,
sagte der Brite vor Journalisten. Kurz danach sei der Hubschrauber
abgestürzt.. „Erst sah ich einen Feuerball unter dem
Hubschrauber", schilderte Augenzeuge Mohammed Schafi Ziarman
der Deutschen Presseagentur (dpa) in Kabul seine Eindrücke.
„Nach wenigen Sekunden explodierte er.“ Offizielle
Angaben zur Unfallursache liegen allerdings noch nicht vor. Einen
Raketenangriff schloss die Bundeswehr am Samstag aus. Die
Generalflugsicherheit der Bundeswehr ist mit der Untersuchung des
Absturzes beauftragt und schickt ein Experten-Team nach Kabul.
Alle sieben deutschen
Besatzungsmitglieder im Alter von 24 bis 53 Jahren sind bei dem
Absturz umgekommen. Bis Samstagabend galt noch einer der Soldaten
unter den Trümmern als vermisst. Zu diesem Zeitpunkt waren
erst zwei Absturzopfer identifiziert.
Im Cockpit der Unglücksmaschine
saßen ein Hauptmann vom Heeresfliegerstandort Laupheim bei
Ulm und ein Oberleutnant vom Heeresfliegerregiment 15 in
Rheine-Bentlage. Mit über 6000 Flugstunden wird der Hauptmann
von Kameraden als erfahrener CH-53-Pilot beschrieben. Er wurde am
Standort Laupheim unter anderem als Werkstattpilot eingesetzt.
Noch am Samstagabend wurden die
Angehörigen der Soldaten informiert. Die Opfer hinterlassen
Frauen und Kinder.
Bundeskanzler Gerhard Schröder
(SPD) sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus. Der
Unglücksfall mache „auf besonders tragische Weise
deutlich“, wie schwierig und gefährlich der Einsatz in
Afghanistan sei. In einer Erklärung Schröders hieß
es weiter, dass die Soldaten bereit gewesen seien, einen
„gefahrvollen Dienst in Kabul zu leisten, um den Menschen
dort ein besseres Leben zu ermöglichen“. Die
CDU-Vorsitzende und Unionsfraktionschefin Angela Merkel drückte
dem Kommandeur der ISAF-Schutztruppe, Werner Freers, ihr „tiefes
Beileid zum Tode Ihrer Kameraden aus“. „Viele Menschen
in Deutschland sind Ihnen in diesen schweren Stunden eng
verbunden.“ Auch Politiker von FDP und Grünen
reagierten betroffen.
Der Hubschrauberabsturz
war der zweite schwere Zwischenfall in Afghanistan, von dem
Bundeswehrsoldaten betroffen sind. Am 6. März starben zwei
deutsche und drei dänische Soldaten bei der unsachgemäßen
Entschärfung einer sowjetischen Flugabwehrrakete. Die
Bundeswehr beteiligt sich an den friedenssichernden Maßnahmen
der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (ISAF) in
Kabul und Umgebung.
WN,
Dezember 2002
Der
lange Weg nach Kabul
Von
Matthias Schrief
Rheine.
Seit Wochen wartet das deutschen Kontingent der
International Security Assistance Force (ISAF) in
Afghanistan auf Luftunterstützung durch die Heeresflieger.
Bislang vergeblich: Immer wieder ist der Einsatz von zunächst
vier speziell ausgerüsteten Transporthubschraubern vom Typ
Sikorsky CH-53 GS verschoben worden. Der Grund: Bei
Auslandseinsätzen, die nicht vor der unmittelbaren Haustür
stattfinden, hat die Bundeswehr ein Transportproblem.
Jetzt
steht der Termin. Wie Brigadegeneral Bernhard Granz, Kommandeur
der Heeresfliegerbrigade 3, jetzt bestätigte, sollen drei
CH-53-Hubschrauber mit einem Antonov-Großraumtransportflugzeug
russischer Bauart ab dem 8. April nach Kabul verlegt werden.
Techniker des Heeresfliegerregimentes 15 in Rheine/Westfalen sind
für den Transport von Köln nach Kabul und für die
Flugbereitstellung der Maschinen in Kabul verantwortlich. Die
Rettungs- und Transporteinsätze in Afghanistan übernehmen
rund 100 Soldaten des Heeresfliegerregimentes 25 in Laupheim.
Der
Weg zum Einsatzort war mit Hindernissen gepflastert. Wie bereits
beim Transport von zwei Marine-Hubschraubern ins ostafrikanische
Djibouti sollten die CH-53 zunächst mit dem Großraum-Flugzeug
Beluga der Firma Airbus-Industries eingeflogen werden. Das
Vorhaben ist gescheitert. Landeplätze im pakistanischen
Islamabad oder in den usbekischen Städten Taschkent und
Termes erwiesen sich aus verschiedenen Gründen als nicht
tauglich, bestätigte Oberstleutnant Karl-Heinz Fleßner,
Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam. Per
Rahmenvertrag vom 17. Januar 2002 stellt die Firma
Airbus-Industries der Bundeswehr zwar die Beluga für
Materialtransporte zur Verfügung. Das Spezialflugzeug fliegt
nach Angaben von Fleßner jedoch nur in befriedete Gebiete.
„Der Landeplatz Kabul scheint wohl zu gefährlich“,
sagte General Granz.
Kurzum,
jetzt kommen wieder die Antonov-124-Großraumtransporter aus
der Ukraine zum Zuge, die ebenfalls bei der Bundeswehr unter
Vertrag stehen. Nachteil: Für den Transport mit der AN 124
müssen die Rotoren der CH-53 abgebaut und das Getriebe
ausgebaut werden. Die Beluga hätte den Hubschrauber komplett
geschluckt.
Der
Kommandeur des Heeresfliegerregimentes 15, Oberst Axel Brandt,
bestätigte unterdessen, dass die Vorbereitungen für die
Verlegung der drei Maschinen in Rheine angelaufen sind.
Ob
die Bundeswehr ihr Hubschrauber-Transportproblem mit dem neuen
Airbus-Militärtransporter A 400 M nach der geplanten
Einführung im Jahr 2010 lösen kann, ist indes fraglich.
Der Grund: Der Laderaumdurchmesser des Airbus A400M reicht nicht
aus, um die CH 53 (der größte Transporthubschrauber der
Bundeswehr) mit montiertem Rotorkopf zu transportieren. Der
mittlere Transport-Hubschrauber gilt aber als
Schlüsselwaffensystem zum Beispiel für
Evakuierungsoperationen.
21.
März 2002
|
Matthias SCHRIEF
REDAKTEUR
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