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Eigene Berichte

Mittleres Transporthubschrauber-Regiment 15, Rheine Bentlage


Entlastung für Heeresflieger

Von Matthias Schrief und Elmar Ries

Rheine. „Die Bundeswehr muss bekommen, was sie zur Erfüllung ihres Auftrags benötigt“, sagt Verteidigungsminister zu Guttenberg. Dazu gehören Hubschrauber für die Truppe in Afghanistan. „Wir prüfen derzeit verschiedene Möglichkeiten, den Einsatz von Hubschraubern an den gestiegenen Bedarf anzupassen“, bestätigte ein Sprecher des Ministers. Offenbar konzentriert sich das Ministerium auf den neuen Hubschrauber NH 90. Der Transport-Helikopter solle mit „bestimmten Fähigkeiten beschleunigt für den Afghanistan-Einsatz“ bereitgestellt werden.

Durch die ständige Präsenz im Auslandseinsatz haben die beiden CH-53-Heeresfliegerregimenter in Rheine und Laupheim - wie berichtet - die Leistungsgrenze erreicht. Die Flotte der für den Auslandseinsatz fähigen CH-53-Hubschrauber soll in 2010 zwar von 20 auf 26 aufgestockt werden. Es werde aber wohl nicht gelingen, in kommenden Jahr den „Personalkörper“ anzupassen, heißt es im Ministeri­um. Verworfen hat das Heer inzwischen die Idee, einen „aufgemotzten“ Hubschrauber-Veteran vom Bell UH-1D an den Hindukusch zu schicken. Zwischenzeitlich, so der Sprecher weiter, unterstützten die USA die Bundeswehr.

Wie das Lufttransportkommando in Münster mitteilte, erhält die Luftwaffe den NH 90 zwar Anfang des kommenden Jahres. Dass er kurzfristig für den Afghanistan-Einsatz bereitsteht, wird von Insidern jedoch bezweifelt. „Bisher sind alle neuen Maschinen zwei Jahre lang im Inland getestet worden, damit sämtliche Kinderkrankheiten ausgemerzt werden können“, hieß es.

Westfälische Nachrichten (WN Online), 28. November 2009


CH-53-Hubschrauber nach Beschuss sicher gelandet

Von Matthias Schrief

Rheine. In Afghanistan sind zwei CH-53-Hubschrauber beschossen worden.

Wie das Einsatzführungskommando in Potsdam mitteilte, ereignete sich der Vorfall, bei dem niemand verletzt wurde, am späten Mittwochnachmittag. Die deutschen Transporthubschrauber seien südwestlich des Regionalen Wiederaufbauteams (PRT) Kunduz mit Handwaffen beschossen worden.

Die Hubschrauber waren unterwegs auf dem Weg von Kunduz nach Mazar-e Sharif. Nach dem Beschuss hatten sich die Besatzungen für die Rückkehr zum PRT Kunduz entschieden.

Die Hubschrauber sind dort mit leichten Schäden gelandet. Soldaten wurden nicht verletzt.

Unterdessen will die Bundeswehr die durch den Afghanistan-Einsatz stark belasteten CH-53-Transporthubschrauberregimenter entlasten. „Wir prüfen alle Möglichkeiten, um andere Hubschraubertypen in Afghanistan in den Einsatz zu bringen“, sagte ein Sprecher im Bundesverteidigungsministerium. Man sei im Gespräch mit der Industrie, um Optionen auszuloten.

Das Verteidigungsministerium reagierte damit auf die Kritik aus den beiden CH-53-Regimentern in Rheine und im schwäbischen Laupheim. Die Bordbesatzungen der beiden Transporthubschrauber-Verbände sind seit Jahren in den Auslandseinsätzen der Bundeswehr engagiert. Nachdem Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in einem Zeitungsinterview zusätzliche CH-53-Hubschrauber für die Isaf-Truppe angekündigt hatte, machten Interessensvertreter der Heeresflieger darauf aufmerksam, dass die „personellen Ressourcen" in den beiden Regimentern erschöpft seien.

Als Ersatz für den CH-53-Transporthubschrauber sei unter anderem die Bell UH 1 D im Gespräch, hieß es im Verteidigungsministerium. Erfahrene Heeresflieger weisen indes darauf hin, dass die Bell mit einem Millionenaufwand für den Auslandseinsatz tauglich gemacht werden müsste. Panzerung und Bewaffnung würden Reichweite und Traglast erheblich reduzieren. Einige Piloten sprechen dem betagten Modell, das bei der Bundeswehr in Teilen schon ausgemustert wird, die Tauglichkeit für den Isaf-Einsatz ab. Vorteil: Für die Bell stehen ausgebildete Piloten zur Verfügung.

Zudem habe die Bundeswehr noch „andere Hubschrauber“, sagte der Heeressprecher, ohne indes ein bestimmtes Muster zu nennen. Er ließ zudem offen, welche „weiteren Kooperationen“ mit der Industrie angestrebt werden sollen und in welchem Zeitfenster der CH-53-Ersatz einsatztauglich sein soll.

Unterdessen bekräftigte das Verteidigungsministerium, dass die Modernisierung der CH-53-Flotte bei den Heeresfliegern und die Ausbildung der jungen Piloten vorangetrieben werden soll. Es geben zwar keinen Nachwuchsmangel, aber derzeit zu wenig auslandseinsatzfähige Luftfahrzeugführer. Der Zahl der für den Auslandseinsatz verfügbaren Maschinen soll von 20 auf 26 erhöht werden.

Westfälische Nachrichten (WN Online), 11. November 2009


Heeresflieger: „Belastungsgrenze ist erreicht“

Von Matthias Schrief


Rheine. Die deutschen Heeresflieger gehen auf Konfrontationskurs zum Verteidigungsministerium. Durch den gut sieben Jahre dauernden Isaf-Einsatz in Afghanistan sei insbesondere bei den beiden CH-53-Transporthubschrauber-Regimentern aus Rheine und Laupheim die Belastungsgrenze erreicht. „Die personellen Reserven sind erschöpft“, sagt Oberstleutnant Reinhard Schlepphorst als Interessenvertreter des fliegenden Personals beim Heer. Er reagierte damit auf eine Ankündigung von Verteidigungsminister zu Guttenberg.


Der Minister will zusätzliche Transporthubschrauber vom Typ Sikorsky CH-53 in den „kriegsähnlichen“ Einsatz nach Afghanistan schicken. Acht kampfwertgesteigerte Hubschrauber des Heeres sind am Hindukusch stationiert. „Die Belastungsgrenze der für den Auslandseinsatz ausgebildeten CH-53-Besatzungen ist erreicht“, so Schlepphorst. Unterdessen bestätigen Sprecher der Division Luftbewegliche Operationen und des Verteidigungsministeriums, dass „Entlastungsoptionen“ für die Besatzungen „geprüft werden“.

Westfälische Nachrichten, Dienstag, 10. November 2009


Soldaten widersprechen Minister


Von Matthias Schrief


Rheine/Laupheim. - In den deutschen CH-53-Transporthubschrauber-Regimentern Rheine und Laupheim rumort es. Mit Unverständnis reagieren insbesondere die Piloten und Bordbesatzungen auf die Ankündigung von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, die Isaf-Truppe in Afghanistan mit zusätzlichen CH-53-Transporthubschraubern auszustatten.


Der Grund: „Die personellen Reserven sind erschöpft. Wir werden schon die acht Maschinen, die derzeit im Isaf-Einsatz sind, unter der derzeitigen Auftragsanforderung im kommenden Jahr nicht mehr leisten können“, warnt Oberstleutnant Reinhard Schlepphorst, Bundesvorsitzender der Interessengemeinschaft des fliegenden und luftfahrzeugtechnischen Personals der Transport- und Hubschrauberverbände der Bundeswehr (IGTH).

Guttenberg hatten in einem Zeitungsinterview angekündigt, 2010 weitere modernisierte Helikopter des Typs CH- 53 für die Isaf-Truppe abzustellen. Die Einsatzführer der deutschen Schutztruppe werden das Angebot gerne annehmen. Seit Jahren stellen sie in internen Berichten regelmäßig heraus, dass den deutschen Soldaten am Hindukusch Hubschrauber fehlen.

In den beiden mittleren Transporthubschrauber-Regimentern in Rheine und Laupheim (Baden-Württemberg) dagegen stehen die Personalplaner damit vor einer schwierigen Aufgabe. „Die Belastungsgrenze der für den Auslandseinsatz ausgebildeten CH-53-Besatzungen ist erreicht“, sagt Schlepphorst. „Offensichtlich hat niemand den Minister darüber informiert, dass Hubschrauber auch Besatzungen brauchen, die sie fliegen.“

„Wir prüfen noch, ob das personell geht“, reagierte der Sprecher der Division Luftbewegliche Operationen (DLO) in Veitshöchheim auf die Ankündigung des Ministers.

Seit Jahren lastet auf den Schultern der Heeresflieger der Flugbetrieb im Auslands-Einsatz. Kurdistan, Irak, Kosovo, Kongo oder Pakistan - die Anforderungen im Einsatzgebiet erfüllt meistens nur der CH53-Hubschrauber.

Seit sieben Jahren unterstützen die Heeresflieger die Isaf-Truppe in Afghanistan. Immer häufiger und in immer kürzeren Abständen müssen Piloten und Bordpersonal in den „kriegsähnlichen“ Einsatz.

Vier Monate Isaf-Verwendung in zwei Jahren lautete einst die Regel. Tatsächlich haben viele Luftfahrzeugführer die vorgesehene „Stehzeit“ im Einsatzland längst überschritten. Das Risiko am Hindukusch ist hoch: „Mittlerweile werden die Hubschrauber ja auch beschossen“, sagt Schlepphorst.

Nach der Rückkehr aus dem Isaf-Einsatz bleibe den Bordcrews kaum Zeit, zu verschnaufen. „Regeneration ist nahezu unmöglich“, weiß der IGTH-Bundesvorsitzende, der selbst Angehöriger des mittleren Transporthubschrauber-Regimentes 15 „Münsterland“ in Rheine-Bentlage ist. Bei den Soldaten zeigten sich verstärkt psycho-vegetative Belastungsstörungen. „Abwanderungsgedanken werden immer häufiger geäußert Kündigungen hat es bereits gegeben“, sagt Schlepphorst.

„Wie eine Demütigung“ hätte es zudem auf viele Luftfahrzeugführer des Heeres gewirkt, dass ihnen eine längst überfällige Anpassung der Besoldung verwehrt wurde.

Unterdessen bestätigen die DLO in Veitshöchheim und der Sprecher Heer im Bundesverteidigungsministerium, dass Entlastungsoptionen für die CH 53-Crews „geprüft werden“. Der neue Hubschrauber NH 90 sei allerdings keine Wahl, weil „die Industrie da bummelt“. Aus dem aktuellen Hubschrauberbestand bietet sich dann nur noch die betagte Bell UH 1D an, die für den Einsatz fit gemacht werden müsste. Man stehe allerdings auch „mit der Industrie in Kontakt, um weitere Optionen zu erschließen“, heißt es im Verteidigungsministerium.

Westfälische Nachrichten, Dienstag, 10. November 2009



Heeresflieger und Spezialkommandos trainieren gemeinsam

Von Matthias Schrief

Rheine. Die Heeresflieger schlagen ein neues Kapitel auf. Ihre besten Piloten, die „Top Guns“, werden zusammen mit den Spezialkräften und den KSK-Kommandosoldaten der Bundeswehr ins Trainingslager geschickt, darunter eine Handvoll Flugzeugführer vom Heeresflieger-Regiment „Münsterland“ in Rheine. Special Operation Forces-Element, kurz SOF-Element, nennt die Bundeswehr diesen Kampfverbund, der bereits im Sommer des kommenden Jahres teilweise einsatzbereit sein soll.

Die Aufgabe der Hubschrauber-Piloten: Sie sollen die Kommandosoldaten bei Tag oder bei Nacht schnell, präzise und punktgenau – auch unter Bedrohung – ins Ziel bringen. Das ist die Antwort der Bundeswehr auf die so genannten asymmetrische Bedrohungen – im weitesten Sinne also der Kampf konventioneller Armeen gegen Terroristen.

Beim mittleren Transporthubschrauber-Regiment 15 in Rheine wird über das Thema – zumindest nach außen – geschwiegen. Und auch weiter oben in der Bundeswehr-Hierarchie fließen die Informationen zum SOF-Element spärlich. Oder auch gar nicht. Das ist Usus bei der Bundeswehr, wenn die „schwarzen Männer“ des Kommandos Spezialkräfte (KSK) mit im Boot sind. Nichts von dem, was das Kommando tut, soll nach außen dringen.

Dass ein Heeresfliegerverband zur taktischen Unterstützung der Spezialkräfte aufgestellt werden soll, zeichnete sich indes seit längerer Zeit ab. Andere Nationen seien mit ihren Spezialkräften „weitaus autarker im Hinblick auf Lufttransporte“, sagte KSK-General Hans-Christoph Ammon kürzlich in einem Zeitungsinterview. Er sei zuversichtlich, dass seine Truppe „konzeptionell auf dem Weg zu einer Optimierung“ sei.

Rustikaler dagegen klingt die Bewertung, die einem amerikanischen Vier-Sterne-General zugeschrieben wird: „Das sind zwar tüchtige Jungs“, sagte er über die deutschen KSK-Soldaten, die in Afghanistan eingesetzt wurden. „Aber sie verfügen ja nicht einmal über eigene Hubschrauber“, fiel die Gesamtbewertung wenig zufriedenstellend aus.

Mit dem neuen Einsatzverbund Spezialkräfte soll diese KSK-Manko beseitigt werden. Einen Einblick in Aufbau und Anforderungsprofil des SOF-Elementes gibt der Heeresflieger-Hauptmann Martin Dörr. „Ausgewählte, besonders zusammengesetzte, entsprechende ausgebildete und ausgerüstete“ Heeresflieger sollen „intensiv und permanent“ mit den Spezialkräften zusammenarbeiten. „Die beteiligten Besatzungen müssen nicht nur ihr Handwerk beherrschen, sondern sich darüber hinaus mit den Spezialkräften wie eine kleine Kampfgemeinschaft ’blind‘ verstehen. Die Durchführung entsprechender Spezialverfahren ist mit diesen Kräften im engen Wirkverbund ständig zu üben und zu vertiefen“, heißt es bei Dörr.

Diese ausgewählte „Kampfgemeinschaft“ soll am Heeresfliegerstandort im schwäbischen Laupheim mit BO-105 „Swooper“-Hubschraubern und CH-53-Transport-Hubschraubern zusammengefasst werden.

„An das ausgewählte fliegerische Personal werden hohe Forderungen gestellt“, sagt Dörr. Ein strenges Auswahlverfahren trage diesem Anspruch Rechnung. Es kommen nur hoch ausgebildete Flugzeugführer zum Einsatz, die bereits Erfahrungen aus Einsätzen in Afghanistan mitbringen.

Bereits im Sommer 2009 soll eine eingeschränkte Einsatzbereitschaft gewährleistet sein. In einem weiteren Schritt soll das SOF Air Rotary / Wing (SOF Air R/W) laut Dörr in die Lage versetzt werden, „gleichzeitige Unterstützung von bis zu drei Operationen der Spezialkräfte an unterschiedlichen Einsatzorten mit Hubschraubern erfüllen zu können“.

Dörr macht auch klar, was von den „Top Guns“ der Heeresflieger-Crews im SOF-Element erwartet wird: Einsatz am Limit. Schnell rein, schnell raus. Immer nur eine Chance: „Im Rahmen einer spezialeinsatzfähigen Unterstützung von Spezialkräften hat der Hubschrauberpilot die Option eines zweiten Anfluges in der Regel nicht, so dass er überwiegend bei Nacht, auch unter Bedrohung und in Formation mit weiteren Luftfahrzeugen, eine Landung unter widrigen Umständen sicherstellen muss.“

Westfälische Nachrichten, 29. Oktober 2008


General mit Heeresfliegern unzufrieden

Von Matthias Schrief

Rheine. Seit der Operation „Harekate Yolo II“ ist es kein Geheimnis mehr: Deutsche Heeresflieger, darunter Hubschrauber-Crews aus Rheine, fliegen in Afghanistan bis in die Kampfzonen hinein. Dahin, wo sich Soldaten der internationalen Friedenstruppe Isaf und Soldaten der afghanischen Armee (ANA) in einer gemeinsamen Aktion mehrstündige Gefechte mit den Taliban liefern.


Das Problem: Die Einsatzkräfte im von Deutschland geführten Regionalkommando Nord (RC North) sind für Operationen dieses Umfangs offenbar nur unzureichend ausgestattet. Das sagt nicht irgendwer. Das sagt Brigadegeneral Dieter Warnecke in seinem Erfahrungsbericht des 14. deutschen Einsatzkontingents Isaf über den Zeitraum von August bis November 2007.

Teile des Erfahrungsberichts finden sich im Internet. Die Zusammenstellung wird dem früheren deutschen Isaf-Regionalkommandeur Nord, Brigadegeneral Warnecke, zugeschrieben. Darin spricht er Mängel bei der Ausrüstung wie bei der Vorschriftenlage offen an.

Deutliche Kritik übt Warnecke demnach unter anderem an der Verfügbarkeit und Einsatzfähigkeit der sechs mittleren Transporthubschrauber vom kampfwertgesteigerten Typ Sikorsky CH-53 GS (GS = German Special), die seit Ende 2007 ihre Basis im nordafghanischen Mazar-e Sharif haben. Ihr Einsatzgebiet ist riesig: Es umfasst neun Provinzen mit sieben Millionen Einwohnern und einer Fläche von 1200 Kilometern Ost-West und 400 Kilometern Nord-Süd. Das mittlere Transporthubschrauberregiment 15 in Rheine-Bentlage stellt, ebenso wie das Schwesterregiment in Laupheim, Soldaten und Maschinen für dieses Einsatzgeschwader in Mazar-e Sharif.

Am Beispiel der für medizinische Rettungsaktionen umgebauten Maschine (CH-53 in der Medevac-Variante) weist Warnecke auf folgende Schwachpunkte hin:
▶  Der so genannte „operationelle Flugbetrieb“ kann nur von Deutschland autorisiert werden, und zwar nach den Regeln der Friedensflugbestimmungen. Ob ein Kommandeur im Notstand anders befehlen dürfte, ist augenscheinlich unklar.
▶  Im Gegensatz zu allen anderen vorhandenen Waffensystemen ist die CH-53 zudem mittlerweile das einzige wichtige Mittel, welches nicht nachtkampffähig ist.
▶ Die Abdeckung des Verantwortungsbereiches RC North mit sechs CH-53 mit einer technischen Verfügbarkeit von 60 Prozent ist im Mandatsrahmen zudem unzureichend. Mit CH-53 zu rechnen, ähnelt immer mehr einem Glücksspiel.

Starker Tobak. Das für die Auslandseinsätze zuständige Einsatzführungskommando in Potsdam dementiert diesen Bericht nicht. Auf MV-Anfrage nimmt es vielmehr wie folgt Stellung: „Jedes Kontingent aus jedem Einsatzgebiet legt dem Einsatzführungskommando der Bundeswehr einen detaillierten Erfahrungsbericht vor, der alle Führungsgrundgebiete und Aufgabenstellungen während der Kontingentdauer umfasst. Diese Berichte sind intern und von großer Offenheit. Das ist wichtig, damit die in komplexen Einsätzen unvermeidlichen Probleme und Schwierigkeiten klar nachvollziehbar werden.“Die Bewertung erfolge in einem festgelegten Prozess der Einsatzauswertung. Schließlich sei es „wichtig, schnell und ständig aus den im Einsatz gemachten Erfahrungen zu lernen“, erläutert der Sprecher des Einsatzführungskommandos. Die Einsatzauswertung sei ein ständiger Prozess, mit dem das Einsatzführungskommando für das konkrete Einsatzgebiet, aber auch für die gesamte Bundeswehr im Einsatz Handlungsbedarf identifiziert und Maßnahmen veranlassen kann. Der Sprecher des Einsatzführungskommando bittet um Verständnis dafür, „(dass wir) zu solchen internen Berichten keine detaillierte öffentliche Position beziehen“.

Fakt ist: Bislang hat das Einsatzführungskommando keine zusätzlichen CH-53 GS nach Afghanistan beordert.

Was General Warnecke sachlich-fachlich kritisiert, führte in der britischen Presse unlängst zu hämischen Berichten. Bei Einsätzen in der Gefechtszone würden die deutschen Hubschrauber-Piloten bereits am Nachmittag Feierabend machen.

An der Front im Kampf gegen den Terror sei es den Deutschen wichtiger, akribisch alle Vorsichtsmaßnahmen zu erfüllen, als auszuharren und die im Notfall verletzten Isaf-Soldaten aus der Kampfzone zu fliegen. Nachteinsätze würden komplett verweigert. „For us ze war is over by tea time, ja“, (etwa: Zur Teezeit ist der Krieg für uns vorbei) titelte beispielsweise die Sunday Times im vergangenen November ihren bissigen Bericht über die deutschen Heeresflieger.

Vor diesem Hintergrund und der Tatsache, dass Bundeswehr-Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan bereits schon im vergangenen Jahr vermutete, dass die Bundeswehr die Norweger als schnelle Eingreiftruppe (QRF) im Norden Afghanistans ablösen wird, erstaunt es kaum, dass sich die FDP-Bundestagsfraktion im Rahmen einer „Kleinen Anfrage“ mit der Leistungs- und Einsatzfähigkeit der deutschen CH-53-Flotte beschäftigt hat.

Schließlich will man wissen, unter welchen Bedingungen man – möglicherweise – einen eigenen Kampfverband nach Afghanistan schickt.

Aus der Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage geht hervor, dass der Klarstand der Gesamtflotte, also die aktuellen Verfügbarkeit der Maschinen, im Jahresmittel bei 50 Prozent liegt. Und statt der ursprünglich 20 leistungsgesteigerten CH-53 GS verfügen die Heeresflieger nur noch über 18: Zwei CH-53 stehen bis auf weiteres in der Flugzeugwerft, weil die Instandsetzungsarbeiten wegen Ersatzteilmangels „vorübergehend unterbrochen“ werden mussten.

Münsterländische Volkszeitung, Februar 2008

Kommentar: Am Limit

Sie halten den Kopf hin, wenn am Hindukusch die Freiheit verteidigt wird. Sie riskieren im Einsatz Leib und Leben, sind monatelang von ihren Familien in Deutschland getrennt. Und wenn sie dann nach Hause kommen, gibt es nicht immer ein Schulterklopfen. Im Gegenteil. In der internationalen Presse mussten sie sich in jüngster Vergangenheit sogar Häme gefallen lasssen. Und auch ein deutscher General nennt kritische Punkte.

Sind die Hubschrauber-Besatzungen aus Rheine und Laupheim, die in Afghanistan ihren riskanten Job machen, etwa nicht einsatztauglich? Doch, das sind sie. Sie nehmen ihren Job aber ernst. Und sie lassen sich nicht verheizen. Was in der Öffentlichkeit als „Fliegen nach Friedensbestimmungen“ verspottet wird, ist im Grunde nichts anderes, als das verantwortungsvolle Handeln der Flugzeugführer für die ihnen anvertrauten Menschen und Maschinen.

Tatsache ist, dass die Material-Ressourcen für Einsätze wie sie in Afghanistan geflogen werden, derzeit knapp bemessen sind. Von den 20 Hubschraubern vom Typ Sikorsky CH-53 GS sind aktuell nur 18 einsatzfähig. Acht befinden sich im Schnitt in der Instandsetzung, sechs in Mazar-e Sharif. Bleiben pro Regiment in Rheine und Laupheim jeweils drei für die Piloten-Ausbildung in Deutschland

Natürlich will jeder Einsatzführer in Afghanistan auf eine möglichs üppige Luftunterstützung zurückgreifen können. Wenn sich das Einsatzführungskommando tatsächlich dazu entschließen sollte, zusätzliche CH-53 GS nach Afghanistan zu verlegen, wäre das ein Rückschlag für den Ausbildungsbetrieb zu Hause.

Denn wie man spätestens seit der Hochwertausbildung der Heeresflieger in Sardinien weiß, sollen die CH-53 Regimenter bald in der Lage sein, zeitlich begrenzt, weltweit gleichzeitig zwei bis drei Auslandseisätze bewältigen zu können. Kurzum, die Heeresflieger gehen bereits am Limit. Häme haben sie nicht verdient.

Zum Thema: „Harekate Yolo II“

Im November 2007 war die schnelle Eingreiftruppe (QRF) bei „Harekate Yolo II“, einer gemeinsamen Operation von afghanischer Armee und ISAF im Nordwesten eingesetzt gegen rund 300 Taliban-Kämpfer, die wichtige Orte und Straßen besetzt hielten. Es ergaben sich mehrstündige Gefechte, deren Hauptträger auf ISAF-Seite die QRF war. Die QRF wird seit 2006 von Norwegen gestellt. Dies waren die ersten Gefechte, in die ISAF-Truppen im Norden seit Beginn der Stationierung verwickelt waren.




Absturz in Kabul: Drei Soldaten aus

Rheine unter den Opfern


Von Matthias Schrief


Rheine/Kabul.Beim Absturz eines Bundeswehr-Hubschraubers in der Nähe der afghanischen Hauptstadt Kabul sind am Samstag sieben deutsche Soldaten ums Leben gekommen, darunter ein Oberleutnant und zwei Hauptfeldwebel vom Heeresfliegerregiment 15 aus Rheine. Es war das bisher schwerste Unglück bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr.


Die Maschine stürzte auf ein leer stehendes Haus und brannte aus. Nach unbestätigten Informationen sollen dabei auch zwei afghanische Kinder umgekommen sein. Die Absturzursache ist noch nicht geklärt. Es gebe jedoch „keinerlei Hinweise auf einen Beschuss“ der Maschine, sagte Bundesverteidigungsminister Peter Struck am Samstagabend vor der Presse in Berlin.



Wie die Bundeswehr weiter berichtet, befand sich der Hubschrauber vom Typ CH-53 GS auf einem routinemäßigen Erkundungsflug zwischen dem Bundeswehr-Lager „Warehouse“ und dem Flugplatz Kabul, der von französischen Soldaten der internationalen Schutztruppe in Afghanistan (ISAF) gesichert wird. Beim Landeanflug sei der deutsche Hubschrauber mit sieben Soldaten an Bord abgestürzt.



Nach Augenzeugen-Informationen eines britischen Soldaten der ISAF-Truppe soll ein Triebwerk des Hubschraubers vor dem Absturz gebrannt haben. „Erst sind Rauch und Flammen aus dem Motorraum gekommen, genau unter den Rotorblättern“, sagte der Brite vor Journalisten. Kurz danach sei der Hubschrauber abgestürzt.. „Erst sah ich einen Feuerball unter dem Hubschrauber", schilderte Augenzeuge Mohammed Schafi Ziarman der Deutschen Presseagentur (dpa) in Kabul seine Eindrücke. „Nach wenigen Sekunden explodierte er.“ Offizielle Angaben zur Unfallursache liegen allerdings noch nicht vor. Einen Raketenangriff schloss die Bundeswehr am Samstag aus. Die Generalflugsicherheit der Bundeswehr ist mit der Untersuchung des Absturzes beauftragt und schickt ein Experten-Team nach Kabul.


Alle sieben deutschen Besatzungsmitglieder im Alter von 24 bis 53 Jahren sind bei dem Absturz umgekommen. Bis Samstagabend galt noch einer der Soldaten unter den Trümmern als vermisst. Zu diesem Zeitpunkt waren erst zwei Absturzopfer identifiziert.



Im Cockpit der Unglücksmaschine saßen ein Hauptmann vom Heeresfliegerstandort Laupheim bei Ulm und ein Oberleutnant vom Heeresfliegerregiment 15 in Rheine-Bentlage. Mit über 6000 Flugstunden wird der Hauptmann von Kameraden als erfahrener CH-53-Pilot beschrieben. Er wurde am Standort Laupheim unter anderem als Werkstattpilot eingesetzt.



Noch am Samstagabend wurden die Angehörigen der Soldaten informiert. Die Opfer hinterlassen Frauen und Kinder.



Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus. Der Unglücksfall mache „auf besonders tragische Weise deutlich“, wie schwierig und gefährlich der Einsatz in Afghanistan sei. In einer Erklärung Schröders hieß es weiter, dass die Soldaten bereit gewesen seien, einen „gefahrvollen Dienst in Kabul zu leisten, um den Menschen dort ein besseres Leben zu ermöglichen“. Die CDU-Vorsitzende und Unionsfraktionschefin Angela Merkel drückte dem Kommandeur der ISAF-Schutztruppe, Werner Freers, ihr „tiefes Beileid zum Tode Ihrer Kameraden aus“. „Viele Menschen in Deutschland sind Ihnen in diesen schweren Stunden eng verbunden.“ Auch Politiker von FDP und Grünen reagierten betroffen.



Der Hubschrauberabsturz war der zweite schwere Zwischenfall in Afghanistan, von dem Bundeswehrsoldaten betroffen sind. Am 6. März starben zwei deutsche und drei dänische Soldaten bei der unsachgemäßen Entschärfung einer sowjetischen Flugabwehrrakete. Die Bundeswehr beteiligt sich an den friedenssichernden Maßnahmen der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (ISAF) in Kabul und Umgebung.

WN, Dezember 2002






Der lange Weg nach Kabul


Von Matthias Schrief

Rheine. Seit Wochen wartet das deutschen Kontingent der International Security Assistance Force (ISAF) in Afghanistan auf Luftunterstützung durch die Heeresflieger. Bislang vergeblich: Immer wieder ist der Einsatz von zunächst vier speziell ausgerüsteten Transporthubschraubern vom Typ Sikorsky CH-53 GS verschoben worden. Der Grund: Bei Auslandseinsätzen, die nicht vor der unmittelbaren Haustür stattfinden, hat die Bundeswehr ein Transportproblem.


Jetzt steht der Termin. Wie Brigadegeneral Bernhard Granz, Kommandeur der Heeresfliegerbrigade 3, jetzt bestätigte, sollen drei CH-53-Hubschrauber mit einem Antonov-Großraumtransportflugzeug russischer Bauart ab dem 8. April nach Kabul verlegt werden. Techniker des Heeresfliegerregimentes 15 in Rheine/Westfalen sind für den Transport von Köln nach Kabul und für die Flugbereitstellung der Maschinen in Kabul verantwortlich. Die Rettungs- und Transporteinsätze in Afghanistan übernehmen rund 100 Soldaten des Heeresfliegerregimentes 25 in Laupheim.


Der Weg zum Einsatzort war mit Hindernissen gepflastert. Wie bereits beim Transport von zwei Marine-Hubschraubern ins ostafrikanische Djibouti sollten die CH-53 zunächst mit dem Großraum-Flugzeug Beluga der Firma Airbus-Industries eingeflogen werden. Das Vorhaben ist gescheitert. Landeplätze im pakistanischen Islamabad oder in den usbekischen Städten Taschkent und Termes erwiesen sich aus verschiedenen Gründen als nicht tauglich, bestätigte Oberstleutnant Karl-Heinz Fleßner, Sprecher des Einsatzführungskommandos in Potsdam. Per Rahmenvertrag vom 17. Januar 2002 stellt die Firma Airbus-Industries der Bundeswehr zwar die Beluga für Materialtransporte zur Verfügung. Das Spezialflugzeug fliegt nach Angaben von Fleßner jedoch nur in befriedete Gebiete. „Der Landeplatz Kabul scheint wohl zu gefährlich“, sagte General Granz.

Kurzum, jetzt kommen wieder die Antonov-124-Großraumtransporter aus der Ukraine zum Zuge, die ebenfalls bei der Bundeswehr unter Vertrag stehen. Nachteil: Für den Transport mit der AN 124 müssen die Rotoren der CH-53 abgebaut und das Getriebe ausgebaut werden. Die Beluga hätte den Hubschrauber komplett geschluckt.


Der Kommandeur des Heeresfliegerregimentes 15, Oberst Axel Brandt, bestätigte unterdessen, dass die Vorbereitungen für die Verlegung der drei Maschinen in Rheine angelaufen sind.


Ob die Bundeswehr ihr Hubschrauber-Transportproblem mit dem neuen Airbus-Militärtransporter A 400 M nach der geplanten Einführung im Jahr 2010 lösen kann, ist indes fraglich. Der Grund: Der Laderaumdurchmesser des Airbus A400M reicht nicht aus, um die CH 53 (der größte Transporthubschrauber der Bundeswehr) mit montiertem Rotorkopf zu transportieren. Der mittlere Transport-Hubschrauber gilt aber als Schlüsselwaffensystem zum Beispiel für Evakuierungsoperationen.

21. März 2002








Matthias SCHRIEF

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